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Folge 19 – die drei Zhus von Jiading

  • 09-02-2023
Kleiner Museumsbesuch
Zhu Sansong, Bürstenhalter mit Briefleseszene, Späte Ming-Dynastie (17. Jahrhundert) © National Palace Museum
Kleiner Museumsbesuch
Zhu Sansong, Bürstenhalter mit Briefleseszene, Späte Ming-Dynastie (17. Jahrhundert) © National Palace Museum

Zhu Sansong, Bürstenhalter mit Briefleseszene, Späte Ming-Dynastie (17. Jahrhundert), Höhe: 14,0 cm, Randdurchmesser: 8,5 cm, Fußdurchmesser: 8,7 cm  © National Palace Museum  

 

Unsere heutige Folge ist bereits die vorletzte aus unserer Serie „Kleiner Museumsbesuch“. Während wir in der letzten Folge wieder einmal gelernt haben, dass die Objekte auch wichtige historische Quellen sein können, geht es heute um ein praktisches, aber auch dekoratives Objekt aus dem 17. Jahrhundert der Späten Ming-Dynastie.

Zhu Sansong verarbeitete ein Segment eines Bambusstück zu einem Bürstenhalter. Der teilende Teil des Bambus dient als Boden, oben ist der Halter geöffnet. An der Außenseite schnitzte der Künstler ein Relief in das Holz. Es zeigt das Bild einer Dame mit eleganter Frisur. Sie hält eine Papierrolle in der Hand, ist ins Lesen vertieft und steht vor einem mit Vögeln und Blumen verzierten Paravent. Eine andere Frau versteckt sich dahinter und hält den Finger vor den Mund – eine Geste des Leiseseins. Sie späht neugierig hinter dem Paravent hervor. Auf der anderen Seite sind ein Tisch, eine Blumenvase, ein Räuchergefäßm eine Zither und ein Pinsel auf einem Tintenstein dargestellt. Außerdem gibt die Inschrift „San-sung“.

Die lebhafte Bildsprache des Pinselhalters kommt der Illustration eines Holzschnittdrucks, bei der eine Frau in einen Brief späht, sehr nahe. Der Ming-Maler Chen Hongshou (1598-1652) fertigte ihn für den Roman „Das Westzimmer“ an. Dieser ist eine beliebte chinesische Liebesgeschichte, die in der Yuan-Dynastie geschrieben wurde. Die Handlung spielt in der Tang-Dynastie und erzählt von der Liebe eines jungen Examenskandidaten und der Tichter eines Staatsminister. Sie verlieben sich ineinander. Die Zofe spielt dabei eine Mittlerrolle.

Sowohl Erscheinungsbild der Figuren und ihrer Kleidung als auch die Pinselführung, die bei der Blumenvase wie aus dem Druck geschnitten und auf den Bambus aufgetragen wirkt, sehen sich sehr ähnlich. Der im Druck aus vier Teilen bestehende Paravent wurde auf ein Paneel reduziert, der Tisch wurde stattdessen hinzugefügt. So füllt die Komposition durchgehend den Bambushalter aus.

Der Künstler schnitzte die Reliefs so in den Bambus, dass die Figuren leicht hervortreten. Dieser Effekt verleiht dem Werk Tiefe und Räumlichkeit. Die Details wie Haare, Linien und Flachreliefs sind fein in den Bambus graviert. Sie verbergen den Prozess des Schnitzens gekonnt und verdeutlichen das Talent des Künstlers. Er schuf durch seine Handwerkskunst eine malerische Atmosphäre und nutzte dabei anspruchsvolle und komplexe Techniken.

Der Bürstenhalter ist ein besonderes Beispiel der Bambusschnitzerei. Der Künstler Zhu Zhizheng, der mit Stilnamen Shuzi heißt und den Spitznamen Sansong trug, kam aus Jiading in Jiangsu. Seine Vorfahren waren auch bereits Bambusschnitzer. Gemeinsam mit seinem Großvater Zhu He (Songlin) und seinem Vater Zhu Ying (Xiaosong) waren sie als die „Drei Zhus von Jiading“ bekannt. Zhu Zhizheng hatte aber noch weitere Talente. So malte er zum Beispiel Landschaften und Esel. Die malerischen Szenen spiegeln sich auch in seiner Bambusschnitzerei wieder. Die Technik, die sich über Generationen verfeinert hatte, zog viele Schüler an, so dass Jiading für das Schnitzen von Bambus bekannt wurde und es dort viele Spezialisten auf diesem Gebiet gab.

Damit sind wir bereits wieder am Ende angelangt und widmen uns in der nächsten Folge dem letzten Objekt in unserer Serie „Kleiner Museumsbesuch“.

 

Redaktion

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