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Folge 2 – Ein erzählendes Wasserbecken

  • 23-01-2023
Kleiner Museumsbesuch
Bronzenes Wasserbecken Sanpan, Späte Westliche Zhou-Dynastie © National Palace Museum
Kleiner Museumsbesuch
Bronzenes Wasserbecken Sanpan, Späte Westliche Zhou-Dynastie (ca. 9. Jahrhundert bis 771 v. Chr.), © National Palace Museum
Kleiner Museumsbesuch
Bronzenes Wasserbecken Sanpan © National Palace Museum

Bronzenes Wasserbecken Sanpan, Späte Westliche Zhou-Dynastie (ca. 9. Jahrhundert bis 771 v. Chr.), Höhe: 20,6 cm, Tiefe: 9,8 cm, Durchmesser: 54,6 cm, Durchmesser Basis: 41,4 cm, © National Palace Museum

 

Beim letzten Mal haben wir die Symbolik des Phönix angerissen und uns ein Jadeornament angeschaut. Heute geht es um das Material Bronze - genauer um ein Wasserbecken aus Bronze. Das klingt zunächst eher unspektakulär, doch wir werden sehen, welche Geschichten ein scheinbar so simpler Gegenstand erzählt.

Das bronzene Wasserbecken Sanpan ist auch bekannt als San shipan und wurde nach historischen Aufzeichnungen unter dem Kaiser Kangxi der Qing-Dynastie ausgegraben. Die Qing-Dynastie existierte von 1644 bis 1911 und Kaiser Kangxi lebte von 1654 bis 1722. Doch das Becken ist viel älter. Es stammt aus der Zeit der Späten Westlichen Zhou-Dynastie, die von ca. 9. Jahrhundert bis 771 v. Chr. andauerte.

Nach der Ausgrabung wanderte die Sanpan von Sammlerhand zu Sammlerhand und gelangte schließlich als Geschenk zu seinem 50. Geburtstag beim Kaiser Jiaqing, der von 1760 bis 1820 lebte.

Die Geschichte des Objektes machte es zu einem besonderen Wertgegenstand innerhalb der kaiserlichen Sammlung der Qing-Dynastie. Doch was zeichnet diese Sanpan noch aus? Schauen wir sie uns an:

Sie hat eine typisch runde Form und ist aus einem flachen Becken auf einem hohen, runden Fuß und zwei Griffeln an den Seiten zusammengesetzt. Auf der Außenwand gibt es Verzierungen. Auch hier treffen wir auf das Motiv des einbeinigen Drachen Kui, der wiederholt umlaufend am Rand dargestellt ist und der uns bereits im Jadeornament von letzter Woche begegnet ist. Die Köpfe stehen als drei Hochreliefs hervor. Außerdem gibt es weitere Tiermaskenmotive, die den Fuß des Beckens dekorieren.

Was war die Funktion dieses Objekts? Gewöhnlich wurden solche Gefäße für rituelle Zeremonien genutzt. Doch unser Gefäß enthält eine Inschrift. Mehr als 300 Zeichen berichten auf dem Gefäß von Grenzstreitigkeiten und einem Abkommen. Erzählt wird die Geschichte eines Krieges zwischen zwei kleinen Reichen der westlichen Zhou. Der Staat Ze erlitt bei einer militärischen Invasion auf den Staat San unerwartet eine Niederlage. Als beide Konfliktpartner sich zu Gesprächen bezüglich eines Friedensabkommens trafen, sagte Ze die Übergabe zweier Territorien an San zu. Die Ländereien wurden auf einer Karte festgehalten und der Schwur vollbracht, sich niemals wieder gegenseitig zu überfallen.

Wir haben es hier also nicht nur mit einem kunsthandwerklichen, rituellen Objekt zu tun, sondern es vermittelt auch detailliert eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten, die uns heute noch lebhaft vermittelt wird. Museumsobjekte erhalten so die Spuren der Zeit und Museen bewahren sie sorgfältig auf.

Ich hoffe, Ihnen hat diese Folge vom "Kleinen Museumsbesuch" gefallen und Sie schalten auch beim nächsten Mal wieder ein. Dann werden wir zur Östlichen Han-Dynastie springen und uns mit einem Geisteraustreiber beschäftigen.

Redaktion

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